Ein Abschied und neue Möglichkeiten

Am Donnerstag war ich auf einer Ausstandsfeier eines lieben Kollegen bei Siemens eingeladen. Richard geht nach einigen Jahrzehnten erfolgreicher Arbeit in den wohlverdienten Ruhestand.

Es ist wie eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit.

Auf den letzten Metern treffe ich sie schon. Einige meiner Weggefährten, die mein (Berufs-) Leben in den letzten 2-3 Jahrzehnten in der IT-Branche begleitet haben.

Alte Erinnerungen werden wach. Freudige Ereignisse und auch die vielen emotionsgeladenen Stunden, in denen man zusammen gekämpft hat: vor allem wegen der immer engen Termine gegen die Uhr und mit den eigenen Unzulänglichkeiten.

Gemeinsame Kämpfe verbinden.

Und wenn die beruflichen Wege sich trennen, lösen sich auch ein Teil dieser Bindungen. Und doch reicht eine einzige Begegnung, und schon sind diese Bindungen wieder aktiviert.

Wenn ich will, kann ich diese Bindungen - ich könnte auch sagen: neuronale Pfade im Gehirn - wieder verstärken. So, wie ich meine fast vergessenen Stärken wieder neu aktivieren kann. Ein Super-Gefühl, wieder diese "Pfade zu spüren".

Ich habe mir angewöhnt, am Ende eines Tages oder einer Woche, über das Erlebte nachzudenken. Was mich bewegt hat. Was gut war und was ich verbessern möchte.

Und natürlich, damit Bewegung in die Entwicklung meiner Stärken kommt, entscheide ich mich für die ersten Schritte, die ich gehe, um diese Verbesserungen in die Realität zu bringen.

Der Schlüssel, um unsere Träume zu leben, ist unser eigenes Tun.

Diese Reflektion über meine Erlebnisse erfolgt in einer bestimmten Art und Weise:
ich stelle mir vor, ich sehe diese Erlebnisse als Film in einem Kino. Natürlich bin ich in diesem Film zu sehen. Bei Szenen, die mit "positiven" Emotionen geladen sind, steige ich auch in den Film hinein. Ich will ja was davon haben.

Den Rest schaue ich so an, dass ich mich als Person in dem Film sehe. Dann kann ich am besten daraus lernen. Denn ich kann sehen, welche Formen der Interaktion sichtbar werden. Wer ich spreche oder handle. Und was daraus folgt. Und wie es besser gehen könnte. Sozusagen mein eigener Anteil an der Situation.

Ich gebe diesem Film oft einen Titel.

Die Ausstandsfeier hat den Titel: "Ich entscheide mich für das, was mir wichtig ist".

Wiese denn dieser Titel?

Nun, Richard hat im Laufe seines Berufslebens sich z.B. für seine Gesundheit entschieden und dafür, sich sozial zu engagieren. Dafür nahm er auch den "Karrierebruch" in Kauf. Ein Preis, den er gern bezahlte.

Denn nun wird ihm nach dem Ausscheiden aus der Firma ein nahtloser Übergang in eine Welt ermöglicht, in der er sich schon auskennt und in der er große emotionale Befriedigung gefunden hat.

Nun ja, einige werden vielleicht sagen: was ist denn daran so bemerkenswert?

Im Laufe der Feier führte ich einige Gespräche. Viele meiner Kollegen sind in einem Alter, in dem sie sich mit dem Ruhestand, Rente,... auseinander setzen müssen. Denn das "anklopfen des Ruhestands an der Haustür" ist schon deutlich zu hören.

Und nur wenige wissen schon genau, wie sie nach dem Ausscheiden aus der Firma ihren Alltag verleben wollen. Die üblichen Witze von Loriot's "Pappa ante Portas" machen die Runde (ein Film der davon handelt, dass ein frischgebackener Ruheständler seine Familie zu Hause nervt. Ein empfehlenswerter Film!).

Weitergehend in meiner Reflektion sehe ich einen Zusammenhang.

Was tue ich, wenn das, was mein Alltagsdenken bestimmt, "nicht mehr da ist" ?

Trivial?

Ein wenig anders formuliert:
Angenommen, etwas bestimmt mein Leben. Dies mag ein "ewiger Kampf" mit jemand anderem sein. Oder auch eine Angst. Oder etwas anderes, was den Großteil meines Denkens beherrscht!

Wenn dies nicht mehr da ist .... an was möchte ich denn dann denken?
Was tue ich, wenn meine Gedanken nicht mehr um Angst, Kampf, ... kreisen?
Wofür entscheide ich mich?
Und die Entscheidungen, die wir treffen, bestimmen das Leben das wir führen!
Und: Auf Entscheidungen kann man reagieren. Es ist ja nicht unbedingt eine Entscheidung, die für immer und ewig gültig ist!

Meinem Gehirn ist es egal, was für Gedanken es produziert.

Mir persönlich ist es nicht egal!
Ich möchte, dass mein Gehirn für MICH arbeitet. Also gebe ich dem Gehirn auch eine Richtung vor! Ein Ziel.

Das interessante an solchen Zielen ist es, dass sie wie ein innerer Kompass funktionieren und unsere Aufmekersamkeit dahin lenken, dass wir mehr Gelegenheiten entdecken, unser Ziel zu erreichen.

Z.B.:
Ich möchte mich nicht mehr klein und ängstlich erleben.
Wie denn dann?
Vielleicht als Ziel:
in meiner Mitte, mir meiner Selbst bewusst und gelassen sein.

Angenommen, ich hätte dieses Ziel erreicht und ich würde es voll und ganz mit allen Sinnen erleben. Dann suche ich die Antworten auf folgende Fragen, in dem ich mich einmal in das Zielerleben hinein versetze und einmal in dem ich mich von außen betrachte:

  • Was würde ich denn dann über mich und die Welt denken?
  • Wie würde ich mich geben?
  • Wie würde ich mich bewegen?
  • Woran würden die anderen Leute merken, dass ich mein Ziel erreicht habe und auch lebe?
  • Was würde meine Familie, meine Freunde, meine Kollegen über mich sagen?
  • Wie fühlt sich das an?
  • Wo ist dieses Gefühl im Körper spürbar?
  • Wie würde es sich anfühlen, wenn dieses Gefühl sich bis in jede einzelne Zelle ausbreitet und vielleicht sogar pulsiert?
  • Was wäre dann für mich möglich?
  • Und was würde das für mich bedeuten?
  • Was ist mein erster kleiner Schritt, um dieses Ziel zu erreichen?
  • Was würde ich anders machen, verändern?
  • Bin ich bereit, diesen ersten kleinen Schritt zu tun, damit ich das erreichen kann, was diese Veränderung wirklich für mich bedeutet?

Wow!
Fühlt sich das nicht gut an?
Und was für viele, neue Möglichkeiten tun sich da auf, wenn ich weiter in die Richtung gehe, in der mein Ziel zeigt ...
Vielleicht schaue ich sogar über mein Ziel hinaus und sehe ...