Alte Muster zu verändern ist manchmal so einfach

Der vorherige Blog-Artikel "Mitten auf der Kreuzung" bescherte mir die Entscheidung, in mein Auto ein neues Getriebe einbauen zu lassen oder mir ein anderes Fahrzeug zu besorgen.

Ich entschied mich, das Fahrzeug zu wechseln und stieg von meiner alten Automarke auf eine andere um (von "A..." zu "T.....").

Was gar nicht so einfach war, denn die Autoverkäufer hier in München sind schon ein seltsames Völkchen. Ich bin ein relativ einfacher Kunde. Ich komme zu einem Autohaus in einem Nachbarort und sage: "Ich brauche ein Auto unter folgenden Bedingungen: Mehrwertsteuer ausweisbar, nicht älter als 3 Jahre und nicht mehr als 50000 KM  mit Finanzierung oder Leasing. Die Marke ist mir relativ egal."

"Ein gefundenes Fressen!" hätte ich gedacht, aber weit gefehlt!

Was tun die Verkäufer?

Sie schauen auf mein T-Shirt und meine Jeans und haken mich innerlich als "Nicht-Kunde" ab (so ist jedenfalls meine Phantasie dazu).

In vier Autohäusern das gleiche. Ich bin fassungslos. Nie war es einfacher, mich als Kunden zu bekommen.

Die erste Wende kam, als ich in einem Autohaus während des Gesprächs einen alten Kunden begrüße. Zufälligerweise ist dieser Kunde in diesem Autohaus Stammkunde und hat dort seine Fahrzeugflotte. Auf einmal wurde der Verkäufer freundlich und entgegenkommend. Innerlich musste ich lachen..

Dann kam ich zu einem (dem zweiten, der erste war völlig überfordert!) "T....."-Händler, der mir etwas verkaufen wollte. Und nein, das hat nichts mit dieser Marke zu tun. Allein der Verkäufer machte den Unterschied.

Vielleicht sollte ich doch Verkaufs-Seminare für Autohäuser anbieten...

Nun also eine neue Marke. Neue Technik. Und neue Schalter für den Scheibenwischer.

Scheibenwischerschalter?

Bei meinem alten Auto ging der Schalter nach oben. Bei meinem neuen geht er nach unten.

Rein aus Neugier fragte ich mich: "Wie oft muss ich diesen Schalter betätigen, damit ich nicht mehr in die falsche Richtung schalte?"(ich schätzte ca. 10-20 mal)

Die Antwort: ich übe immer noch! Es passiert mir dann und wann immer noch mal, dass ich überlegen muss, welche Richtung die richtige ist.

Es ist auch nicht soooo wichtig.

Was ist daran so bemerkenswert?

Unser tägliches Leben ist mit vielen Automatismen angefüllt.

Wir brauchen nicht zu überlegen, wie wir aufstehen, wie wir unsere Zähne putzen oder wie wir unsere Schnürsenkel binden. Wir haben diese Tätigkeiten gelernt und so oft wiederholt, bis wir diese Fähigkeit ohne nachzudenken ausführen können.

Dies entspricht auch dem allgemeinen Lernzyklus mit den vier Lernphasen:

  • unbewusste Inkompetenz (wir brauchen die Fähigkeit nicht, deshalb ist es uns auch nicht bewusst, dass wir sie nicht haben)
  • bewusste Inkompetenz (uns ist bewusst, dass wir eine Fähigkeit benötigen und fangen an zu üben)
  • bewusste Kompetenz ("Übung macht den Meister" und wir müssen jedoch die Fähigkeit noch bewusst ausführen)
  • unbewusste Kompetenz (wir brauchen nicht mehr nachzudenken, sondern tun es einfach)

Um diese Automatismen "umzulernen", müssen wir uns den Automatismus bewusst machen und neu lernen. Und dies geht durch wiederholtes tun, bis es wieder zu einem (neuen) Automatismus wird.

 

Und solche Automatismen gibt es in vielen Bereichen. Sie können sich selber mal fragen, wie Sie:

  • auf bestimmte Situationen reagieren
  • mit neuen Aufgaben umgehen
  • mit einigen bestimmten Menschen umgehen
  • mit sich selbst umgehen, wenn Sie belastet sind (Streß)
  • es schaffen, an einem Tag viel zu schaffen und an anderen Tagen weniger

 

Verhaltensänderungen sind gar nicht so einfach. Jedes Verhalten hat in einem bestimmten Kontext eine positive Absicht. "Wir haben etwas davon, dass wir uns so verhalten". Dies mag auch ein Kontext sein, der in der Vergangenheit gültig war und es nun nicht mehr ist.

Die Veränderung eines unerwünschten Verhaltens ist sehr viel einfacher, wenn Sie diese positive Absicht beibehalten und dies in einer für Sie angenehmeren Art und Weise umsetzen.

Wenn Sie sich also ärgern, dass Sie abends vor dem Fernseher den Abend verstreichen lassen, können Sie sich z.B. fragen, was Sie davon haben. Dies könnte so etwas wie Entspannung sein. Oder mit dem/der PartnerIn etwas gemeinsames tun. Oder auch etwas ganz anderes.

Was könnten Sie anderes tun, dass diese positive Absicht beibehält oder sogar noch stärker zum Ausdruck bringt?

Die Antworten auf diese Fragen kann jeder nur bei sich selbst finden.

Die Fragen jedoch, die kann ein Coach stellen...

(und natürlich kann er zusätzlich all das, was außer diesen Fragen noch zu einer Veränderung im Verhalten, der Erweiterung der Fähigkeiten, den sinnvolleren Überzeugungen und zu dem, was uns wirklich wichtig ist,  führt ...)